Brandes & Apsel Verlag



 

Psychoanalyse und Traumatherapie

Sebastian Leikert

Psychoanalytische Traumabehandlung und somatische Narration

Überlegungen zur Rolle der Traumabearbeitung im Therapieprozess und zu den Indikationsbereichen für die somatische Narration werden diskutiert. Leikert untersucht charakteristische Prozesse in Übertragung und Gegenübertragung und vermittelt Prinzipien der Handhabung der Gegenübertragung. Zudem wird der Zusammenhang von Traumgeschehen, Tiefenregression und physiologischen Prozessen beschrieben und mit aktuellen Autoren wie Mark Solms, aber auch mit Klassikern wie Donald Winnicott in Austausch gebracht. Ein unersetzbares Praxisbuch für den Umgang mit schwer gestörten Patienten. Es erkundet den Aufbau der subsymbolischen Abwehrstruktur (Verkapselung, Wahrnehmungsabwehr) und die Dynamik des körperlichen Unbewussten. Anhand vieler Fallbeispiele werden typische Prozesse und Therapieentwicklungen beschrieben. Daneben wird die Wirkung einer Traumatisierung auf Ich- und Über-Ich-Strukturen beschrieben. Insbesondere das Über-Ich nimmt die Vernichtungserfahrung des Traumas auf und wird verfolgend. Freuds Beschreibung – »was nun im Über-Ich herrscht, ist wie eine Reinkultur des Todestriebes« (Freud 1923b, S. 283) – wird jetzt verständlich.

Psychoanalytische Pädagogik

Christine Bauriedl-Schmidt / Markus Fellner / Sebastian Kudritzki / Alfred Walter (Hrsg.)

Psychoanalytische Pädagogik im Wandel

Was einmal selbstverständlich war – und heute?

Jahrbuch für klinische und interdisziplinäre Psychoanalyse, Band 4

Der Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und weltweiter Krisen, Entwicklungen und Trends (z. B. Digitalisierung, Globalisierung, Populismus und Rechtsruck) sowie der sich verbreiternden Schere zwischen Arm und Reich reaktualisiert die Beschäftigung mit der Verbindung von Psychoanalyse, Pädagogik und Sozialarbeit, fordert sie geradezu: Die enge Verzahnung von sozioökonomischen Belastungsfaktoren und mentaler Gesundheit macht es notwendig, die vielfältigen, unbewussten Prozesse in diesem wechselseitigen Beziehungsgeflecht im Blick zu behalten. In diesem Sinne untersucht der vierte Band des Jahrbuch für klinische und interdisziplinäre Psychoanalyse zum einen die theoretische, institutionelle Entwicklung der Verflechtung sowie auch die Abgrenzung von Psychoanalyse und Pädagogik und zum anderen werden aktuelle Projekte in den verschränkten Arbeitsfelder von Psychoanalyse und Pädagogik vorgestellt.

Psychoanalyse

Rainer Gross

Sublimierung

Ein Grenzkonzept der Psychoanalyse

Sigmund Freud sprach von der Sublimierung als einem »Grenzkonzept der Psychoanalyse«. Sublimierung bedeutet für ihn einen reifen Abwehrmechanismus, aber sie gilt ihm auch als Motor jeglicher Kulturarbeit. In diesem Buch wird die Entwicklung des Sublimierungsbegriffes sowohl in Freuds Werken als auch bei zahlreichen späteren Autorinnen und Autoren nachgezeichnet. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den immer noch zu wenig rezipierten Arbeiten Hans Loewalds zum Thema als Bindeglied zwischen triebtheoretischen, ich-psychologischen und intersubjektiven Positionen zur Sublimierung: Für Loewald ist Sublimierung mehr als Abwehr und Triebverzicht – er feiert sie als Versöhnung zwischen frühen, präverbalen dyadischen Erfahrungen des Kindes und den reiferen Ich-Leistungen, zwischen Primärprozess und Sekundärprozess. Weitere aktuelle Arbeiten zur Sublimierung bis hin zur post-bionischen Feldtheorie werden ebenso vorgestellt wie Texte zur psychoanalytischen Theorie der ästhetischen Erfahrung und des kreativen Prozesses. Abschließend bietet der Autor Überlegungen zu ungeklärten Aspekten des Sublimierungsbegriffes und thematisiert die klinische Relevanz von Sublimierungsprozessen.

Adoleszente Entwicklung

Sebastian Kudritzki / Catharina Salamander / Alfred Walter (Hrsg.)

Bruchlinie Adoleszenz

Entwicklungskrisen als Entwicklungschancen

Die Entwicklungsaufgaben in den verschiedenen Phasen der Adoleszenz sind komplex und anfällig für Entwicklungskrisen, aus denen nicht selten belastende Symptomatiken erwachsen können. Häufig sind die Sollbruchstellen frühere, nicht ausreichend gut bewältigte Entwicklungsaufgaben, die in fatale Sackgassen und zu erheblichen Entwicklungsblockaden führen können. Adoleszente Entwicklungskrisen beinhalten auch immer eine zweite Chance, festgefahrene Entwicklungsdynamiken wieder in Gang zu bringen. Dieses Buch unternimmt den Versuch, krisenhafte jugendliche Entwicklungsdynamiken in ihrer Ambivalenz als Entwicklungschancen zu betrachten. Dabei werden nicht nur pathogene Aspekte hervorgehoben, wie dies oft auch in der psychotherapeutischen Wahrnehmung von Jugendlichen der Fall ist. Die behandlungstechnischen Beiträge veranschaulichen auf unkonventionelle Weise solche Prozessdynamiken.

Franz Timmermann

Adoleszente Suizidalität

Die Suche nach Identität

Franz Timmermann legt ein Werk vor, das seine jahrzehntelange Forschung zusammenfasst und auf unkonventionelle Weise ­einen fundierten Blick auf adoleszente existenzielle Problemlagen wirft, vor denen sich selbst Psychotherapeut*innen oft unbewusst verschließen. Unterschieden wird grundlegend zwischen Suizidalität als lebenserhaltendem Prozess unter Einbezug des Todes und Suizidgefährdung als Begrenzung des Lebens. Suizidale Adoleszente haben verwickelte Hindernisse in ihrer Identitätsbildung zu bewältigen. Die Verzweiflung kann aber den Anstoß dazu geben, sich von Hindernissen auf dem Lebensweg zu befreien und eine konstruktive Identitätssuche zu beginnen. Ein Freiheitskampf ist notwendig, um Suizidalität zu einer lebensbejahenden Revolution werden zu lassen. Zum Vergleich dazu werden öffentlich gewordene Fälle skizziert, die diesen Kampf nicht aufnehmen und uns somit auch an die Grenzen unserer Berufskultur in der Psychoanalyse des Jugendalters führen.

Psychoanalyse des Antisemitismus

Hanna Gekle

Perversion der Schuld – Ein Antisemit auf der Couch

Fallgeschichte zur Theorie der Psychoanalyse nach Auschwitz

Was kann die psychoanalytische Fallgeschichte eines Einzelnen für die Erklärung historisch-gesellschaftlicher Prozesse im Allgemeinen und speziell des Antisemitismus leisten? Kann sie dazu beitragen, den Zivilisationsbruch des Holocaust besser zu verstehen? Muss die Psychoanalyse selbst ihre Kategorien neu überdenken, gar korrigieren? Diese Fallgeschichte rekonstruiert die Macht der transgenerationalen Weitergabe des Antisemitismus nationalsozialistischer Eltern an den Sohn in zweiter Generation. Gekle rekonstruiert im ersten Teil die dramatische Geschichte dieser Analyse, die Phasen höchster Belastung überstehen musste, während der zweite Teil eine doppelte Ausrichtung hat: Zum einen dient er der theoretischen Begründung dieser Analyse, zum anderen wendet er zentrale Kategorien der Psychoanalyse selbstkritisch gegen sie selbst und fragt nach deren Veränderung durch den Zivilisationsbruch des Holocaust. Konzentriert sich die psychoanalytische Praxis ausschließlich auf das Individuum, so zeigt ihre Theorie, dass die Psyche tief eingelassen ist in den gesellschaftlichen und kulturellen Prozess, also auch in die Vergangenheit. Die dort zu verortende Schuld verlängert sich in die Zukunft, sofern es nicht gelingt, die bewusste und vor allem unbewusste Identifikation mit der Generation der Nazieltern, aber auch mit den Nazigroßeltern aufzulösen. Der gegenwärtig wiedererstarkte Antisemitismus spricht eine unüberhörbare Sprache.

Antifaschismus und Erinnerungskultur

Gesine Schmidt

Jüdisches Leben im Frankfurter Osten

Emigrationsgeschichte 1940 über Osteuropa und Asien nach New York

Von 1922 bis 1940 erlebten Erich Metz, ein Geschäftsmann im Frankfurter Osten, und seine Frau Anna die dramatischen Umbrüche zwischen der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus. Die Eheleute bezeichneten die Frankfurter Jahre vor 1933 später als ihre »glücklichste Zeit« in einer Stadt, in der sie sich »zu Hause« fühlten – bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Wie hat sich dieser Wandel der Stadt Frankfurt, seinerzeit von den Zeitgenossen als fortschrittliche und liberale Großstadt gepriesen, zu einer der Hochburgen des Nationalsozialismus vollzogen? Angestoßen durch ihre eigene Familiengeschichte und nach intensiver Archivarbeit in Frankfurt am Main und New York hat die Autorin diesen Prozess analysiert – angesichts der immer stärker werdenden rechtsextremen Bewegungen in Europa, auch in unserem Land, und in den USA, eine ganz aktuelle Thematik.

Valérie Göttel

Feldbergstraße 42 – Geschichte eines »Ghettohauses« in Frankfurt am Main

Jüdische Zeitzeugen im Frankfurter Westend (1888–1988)

Erzählt wird die Geschichte eines 1888 erbauten Gründerzeithauses und von dessen Bewohnern in Frankfurt am Main. Das Haus in der Feldbergstraße 42 im Westend zeugt vom Leben der Frankfurter Bürger während eines ganzen Jahrhunderts, vom Deutschen Reich bis zur Bundesrepublik Deutschland, bis es 1988 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Aufstieg des Nationalsozialismus, des Hasses und des Antisemitismus verwandelte dieses bürgerliche Haus in einen Ort des Elends und Leidens, in ein »Ghettohaus« oder wie damals beschrieben: ein »Judenhaus«. Am 19. Oktober 1941 wurden 26 Menschen aus den Wohnungen der Feldbergstraße 42 bei der ersten Deportation aus Frankfurt in den Tod geschickt. Wie kam es dazu? Was ist eigentlich ein »Ghettohaus«? Die Biografien von über 80 Menschen, die zeitweise, freiwillig oder gezwungen, in diesem »Ghettohaus« lebten, die als Opfer des nationalsozialistischen Regimes ermordet wurden oder fliehen mussten, ergänzen die Erzählung. Es werden zahlreiche Themen behandelt: die glanzvolle Zeit der Expansion der Stadt Frankfurt am Main, die Entstehung des Westends, der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, der unaufhaltsame Aufstieg des Nationalsozialismus bis zum Dritten Reich, die gewaltsamen Repressalien, die Arisierung, Enteignungen, Deportationen, Besatzung, Reparationen.

Bernd Heyl

Wilhelm Hammann – Ein Gerechter unter den Völkern

Biografie eines hessischen Antifaschisten

Wilhelm Hammann, geboren am 25. Februar 1897 in Biebesheim, während der Nazizeit politisch verfolgt und im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, war 1945 Blockältester im Block 8, einem der beiden Jungenblocks des KZ Buchenwald. In den letzten Tagen vor der Befreiung bewahrte er 159 jüdische Jungen vor dem Todesmarsch, den die SS bereits geplant hatte. Für diese Rettungstat ehrte ihn Yad Vashem am 18. Juli 1984 als Gerechter unter den Völkern. Welche Erfahrungen und Überzeugungen prägten ihn als Lehrer und Kommunisten, als Landtagsabgeordneten des Volksstaates Hessen, als Häftling Nr. 1224 im KZ Buchenwald oder als kommunistischen Aktivisten und Groß-Gerauer Landrat in der unmittelbaren Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg? Und warum geriet Hammann in der alten Bundesrepublik nach seinem nie wirklich aufgeklärten Unfalltod in Vergessenheit? Bernd Heyl stellt die Frage nach den Perspektiven einer aktuellen Erinnerungskultur, nach einem kollektiven Gedächtnis, das Geschichte verstehen will und auch die Erfahrungen derjenigen aufnimmt, die ihr Leben dem Kampf für soziale Gerechtigkeit und gegen den Faschismus gewidmet haben.

Transkulturalität und Identität

Birgit Mau-Endres / Ingegerd Schäuble / Christian Thienel / Alfred Walter

Kulturelle Brücken bauen

Annäherungen an das Unvertraute aus interdisziplinärer Sicht

Eine (deutsche) Selbstreflexion

Kulturelles und interkulturelles Lernen geschieht nicht selbstverständlich und schwankt zwischen Begeisterung und Angst. Sich der Fremde zu nähern, ist ein langsamer, nie abgeschlossener Prozess. Auf unterschiedliche Weise versuchen die Autorinnen und Autoren, diesen Prozess aus ihrer jeweiligen beruflichen Disziplin heraus zu beschreiben. Christian Thienel nähert sich den Fragen nach der eigenen kulturellen Identität während seiner Auslandsaufenthalte als Sprachdozent feinfühlig und intuitiv. Birgit Mau-Endres versucht, über Kulturdimensionen ein Bewusstsein für die Annäherung an kulturell Unvertrautes zu schaffen. Ingegerd Schäuble berichtet aus ihren dialogischen Prozessen und ihrem erkenntnisreichen Vorgehen in Supervision und dialogischer Beratung. Alfred Walter reflektiert die Konfrontation mit der Fremde und dem Fremden im psychotherapeutischen Prozess. Letztendlich geht es darum, in der Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Unvertrauten und dem Fremden etwas Neues, Drittes zu schaffen.

Kolonialismus und Dekolonialisierung in der psychoanalytischen Theorie

Sally Swartz

Psychoanalyse und Kolonialismus

Eine Einführung

In diesem erkenntnisreichen Buch führt Sally Swartz in die frühen Verflechtungen der psychoanalytischen Theorie mit dem Kolonialismus ein und zeigt, wie diese sich erheblich und lang anhaltend auf die Psychoanalyse ausgewirkt haben. In Psychoanalyse und Kolonialismus wird eine Vielzahl von Quellen und ein breiter historischer Zeitraum von den Anfängen der Psychoanalyse bis hin zu aktuellen Theorien und Praktiken berücksichtigt. Swartz untersucht, wie die Freud’sche Theorie die Idee des Primitiven in den Mittelpunkt der Kartierung der ungezähmten Gebiete des Unbewussten stellte, und zwar über Vorstellungen von der Zähmung instinktiver Exzesse, der Zivilisierung des Primitiven und der Eroberung und Ordnung der Wildheit. Der Text beschreibt den Einfluss des Kolonialismus auf das Denken von Freud und Jung und widmet sich anschließend antikolonialen Stimmen wie ­Césaire, Mannoni, Memmi und Fanon. Abschließend folgen Überlegungen zu den Herausforderungen der Dekolonialisierung der Psychoanalyse.

Psychoanalyse der Emotionen

Sabine Schlüter / Rainer Gross (Hrsg.)

Neid und Gier – Psychoanalyse zweier Todsünden

Sigmund-Freud-Vorlesungen 2025

Die Sigmund-Freud-Vorlesungen 2025 widmen sich zwei der sogenannten Sieben Todsünden, einem Kanon von Affekten, die eine Stigmatisierung als besonders verabscheuungswürdig und gefährlich erfahren haben. Im Konkurrenzkampf der neoliberalen Leistungsgesellschaft hingegen sind Neid, Gier und auch (Ehr-)Geiz zu wichtigen Triebfedern und sogar wertvollen »Skills« geworden. Am Neid mit seinen Spielarten und Nuancen entzündeten sich in der Psychoanalyse grundlegende Diskussionen und ebenso große Differenzen. In diesem Band werden Geschichte, Konzepte, innerpsychische Auswirkungen, klinische Schwierigkeiten und gesellschaftliche Implikationen der Gefühle Neid und Gier untersucht. Wann spricht man eigentlich von Neid, von Gier, Geiz und Eifersucht, welches sind ihre Parallelen und ihre Unterschiede? Und wie steht es nun um Penisneid und Gebärneid – sind diese Konzepte wirklich nur noch von historischer Bedeutung oder doch noch klinisch relevant?