Brandes & Apsel Verlag



 

Psychoanalyse und Film

Dieter Bürgin / Barbara Steck

Lernen von Charlie Chaplin?

Psychoanalytische Überlegungen zur kreativen Transformation sadomasochistischer Impulse im Verlaufe des Lebens

Täter und Opfer, Macht und Ohnmacht sowie verletzende Grausamkeiten und deren Erleiden und Ertragen manifestieren sich in allen Gesellschaften und in den unterschiedlichsten Intensitäten. Im Verlauf der Entwicklung vom Kleinkind bis zum Erwachsenen gilt es, Formen zu finden, wie diese ­Interaktionsarten transformiert, also in gesellschaftlich tolerable Verhaltensweisen umgeformt werden können. Charlie Chaplins frühe Stummfilme entstanden im Umfeld des Ersten Weltkriegs. Sie sind voller grober sadistischer und masochistischer Handlungen, die in einer Zeit voller Gewalt begeisterten, denn die Menschen konnten sie schuldfrei und den Widerwärtigkeiten trotzend anschauen und befreiend lachen. Im Verlaufe seines Lebens gelang es Chaplin dann mittels Humor und Kreativität, die alten sadomasochistischen Impulse in poetische und warmherzige Filme in Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen Themen seiner Epoche aufzunehmen. Das Buch geht den Schritten seiner enormen Reifung und dabei der Tragik und dem Glück in seinem Leben nach. Bürgin und Steck stellen dazu Überlegungen an, welche seelischen unbewussten Prozesse bei Chaplin zum Tragen gekommen sein mögen, um die Transformation schwerer früher Traumatisierungen in ein die Zeiten überdauerndes künstlerisches Werk möglich zu machen. Somit ist Chaplin ein durchaus für die Gegenwart wiederzuentdeckendes Vorbild!

Suizidalität

Franz Timmermann

Adoleszente Suizidalität

Die Suche nach Identität

Franz Timmermann legt ein Werk vor, das seine jahrzehntelange Forschung zusammenfasst und auf unkonventionelle Weise ­einen fundierten Blick auf adoleszente existenzielle Problemlagen wirft, vor denen sich selbst Psychotherapeut*innen oft unbewusst verschließen. Unterschieden wird grundlegend zwischen Suizidalität als lebenserhaltendem Prozess unter Einbezug des Todes und Suizidgefährdung als Begrenzung des Lebens. Suizidale Adoleszente haben verwickelte Hindernisse in ihrer Identitätsbildung zu bewältigen. Die Verzweiflung kann aber den Anstoß dazu geben, sich von Hindernissen auf dem Lebensweg zu befreien und eine konstruktive Identitätssuche zu beginnen. Ein Freiheitskampf ist notwendig, um Suizidalität zu einer lebensbejahenden Revolution werden zu lassen. Zum Vergleich dazu werden öffentlich gewordene Fälle skizziert, die diesen Kampf nicht aufnehmen und uns somit auch an die Grenzen unserer Berufskultur in der Psychoanalyse des Jugendalters führen.

Selbstpsychologie

Andrea Harms / Thomas Prior (Hrsg.)

Betroffenheit und Resonanz

Herausforderungen im psychoanalytisch selbstpsychologischen Prozess

Jahrbuch Selbstpsychologie, Band 6

Dieses Jahrbuch geht von der Grundannahme aus, dass menschliche Entwicklung auf intakte Resonanzräume angewiesen ist, also auf lebendige, emotionale Verbindungen zu anderen. Doch Kriege und Krisen, autoritäre Herrscher und (a)soziale Medien bedrohen diese Achsen der Mitmenschlichkeit und führen zu Rückzug, Einsamkeit, innerer Erstarrung. Häufig – vielleicht sogar immer häufiger – haben wir es im psychoanalytischen Prozess mit einer eingeschränkten Resonanzfähigkeit zu tun, die sich etwa in gehemmter Vitalität oder verlorener Selbstwirksamkeit äußert. Der Ansatz der Selbstpsychologie, weiterentwickelt durch intersubjektive und relationale Konzepte, eröffnet hier ein kontextorientiertes therapeutisches Verstehen und Arbeiten. Der Fokus liegt dabei sowohl auf »der inneren Erlebniswelt des Individuums als auch auf deren Eingebettetsein in andere derartige Welten und die kontinuierliche Beeinflussung, die zwischen ihnen besteht« (Stolorow & Atwood). Die Beiträge in diesem Buch beleuchten aus unterschiedlichen Blickwinkeln, was dies konkret für Theorie und Praxis bedeutet.

Narzissmus und Technologie

Carola Hesse-Marx

Kann mir bitte mal einer erklären, was Fortschritt ist!

Wider Technologiewahn und destruktiven Narzissmus

Wenn wir in unserer Menschheitsgeschichte zurückblicken, sehen wir einerseits Neid, Hass, Zerstörung. Dem stehen die großartigsten Zeugnisse der Kreativität und Liebesfähigkeit gegenüber. Immer versuchte der Mensch, dem Tod das Leben entgegenzusetzen. Das hat sich radikal geändert: Nun setzt der postmoderne Mensch dem Leben den Tod entgegen. Dass sich der Mensch mit seinem Werkzeug identifiziert, hat es niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte gegeben. Das ist wirklich neu. Es ist das Unheimlichste, das dem Menschen auf seiner langen evolutiven Suche nach sich selbst bisher eingefallen ist. Warum konstruieren Menschen Maschinen, die wie Menschen aussehen, technisierte Puppen, sogenannte »Humanoide Roboter« und sogenannte »Androide«, und technisierte Bilder, sogenannte »Avatare«, und behaupten, diese seien in nächster Zukunft der bessere Mensch? Warum löscht der postmoderne Mensch seine Natur, die das Leben ist, aus und ersetzt Leben durch – biologisch, psychisch und geistig – Totes? Die Psychoanalytikerin Carola Hesse-Marx geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte, dass sich Menschen anstatt mit dem Leben, mit lebloser Materie identifizieren. Und sie geht der Frage nach, warum das technisch konstruierte Wahngebilde destruktiver Narzissten gesellschaftlich als Fortschritt anerkannt wird.

Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse

Peter Bründl / Sebastian Kudritzki / Catharina Salamander / Karin Trübel (Hrsg.)

Wege zur inneren Landschaft von Kindern und Jugendlichen

Jahrbuch der Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse, Band 14

Die Autorinnen und Autoren unterschiedlicher analytischer Schulen aus der Schweiz, Deutschland, Portugal, Israel, England und den USA setzen sich mit ihren klinischen Theorien und mit ihren Behandlungsprozessen auseinander, die es ihnen ermöglichen, den entwicklungsförderlichen Zugang zur unbewussten Innenwelt und zu den Übertragungsphänomenen von Kindern und Jugendlichen zu finden. Im Mittelpunkt der Beiträge steht die gemeinsame, fortführende Arbeit des therapeutischen Paares.

Psychotherapeutisches Spielen

Bertke Reiffen-Züger / Dagmar Lehmhaus (Hrsg.)

Psychotherapeutisches Spielen mit dem Plämokasten

Psychodynamische Therapie mit Kleinkindern, Latenzkindern und Jugendlichen

Zur Verbesserung der Kompetenz von psychodynamischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten, um sich sicher im Bereich des kindlichen Spielens zu bewegen, wird ein Konzept zur professionellen Spiel-Selbsterfahrung mit dem Plämokasten mit Playmobil-Figuren vorgestellt. Dabei werden konkrete Spielszenen in ihrer therapeutischen Relevanz einbezogen. Nach der Reflexion, wie sich Spielfähigkeit und Spielen in der Kindheit entwickeln, wird das psychodynamisch-psychotherapeutische Spiel mit Miniaturfiguren – insbesondere mit Playmobil-Figuren des Plämokastens – fokussiert und in seiner historischen Entwicklung sowohl in Bezug auf die sozialen, technischen wie materiellen Implikationen dargestellt. Auf konkrete Handlungsanweisungen für den Umgang mit dem Plämokasten, Hinweise für die Auswertung von Spielszenen sowie eine Sammlung von Falldarstellungen folgt ein Kapitel mit den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Untersuchung des Plämokastens. Außerdem werden weitergehende Anwendungsmöglichkeiten des Plämokastens im Bereich der Elternarbeit und der Erstellung von Gerichtsgutachten erörtert.

Psychoanalyse und Intersubjektivität

Wolfgang Kämmerer / Wolfgang Milch

Chaos und Poesie der Begegnung

Intersubjektive Verwicklungen in der psychodynamischen Psychotherapie

Im Zentrum des Buches stehen vier therapeutische Begegnungen und die Dynamik unbewusster Verwicklungen und die kreativen Antworten, die im gemeinsamen Prozess gefunden werden. Der lebendige Moment der Begegnung lässt sich nicht auf Theorien und technische Richtlinien reduzieren. Er enthält chaotische Elemente, die den Prozess prägen. Chaos zeigt sich im Ungeordneten der Begegnung, des Leids und in den kreativen Sprüngen des Prozesses. Poesie ist eine Weise, das Chaos zu ordnen. Die Begegnung ruft affektive, körperliche und kognitive Antworten hervor. Die Beteiligten öffnen sich diesem Austausch in besonderer Weise, dafür können die Metaphern des Tanzes oder des gemeinsamen Improvisierens eines Musikstückes passen, in dem von dem einen Schwingungen ausgehen und die den anderen ins Schwingen bringen und wieder neue Resonanzen auslösen. Klänge, Rhythmen, Harmonien oder Disharmonien werden als angenehm, wohltuend, störend oder auch quälend erlebt. Schrille und zu laut empfundene Töne und Geräusche bedrohen und lösen Abwehr aus. Findet ein Gespräch hingegen zu seinem Klang, Rhythmus und zur Modulation der Melodie, wird der Prozess von beiden gemeinsam getragen.

Psychoanalyse und Philosophie

Roger Money-Kyrle

Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie

Ausgewählte Schriften. Band IV

Das Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie hat Roger Money-Kyrle über sein gesamtes Werk hinweg beschäftigt. Wie kein anderer Schüler Kleins hat er sich systematisch mit den Beziehungen zu den Nachbarwissenschaften auseinandergesetzt. Der vorliegende Band beinhaltet grundlegende Texte zur Wirklichkeitslehre, zu Ethik, Anthropologie und Politik.

Migration

Liana Novelli

Turin – Frankfurt

Die vielfältige Identität in der Migration

Migration wurde in den letzten Jahrzehnten stets kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Doch es gibt eine Kultur der Aufnahme von fremden Menschen, eine Neugier und eine Unterstützung ihres Ankommens und ihrer Integration. Davon erzählt Liana Novelli, die sich als Sprachlehrerin engagiert für den muttersprachlichen Unterricht an den Schulen, für eine Anerkennung durch die Mehrheitskultur, für die Rechte der migrantischen Frauen. Die Autorin sagt selbst: »Das Schreiben dieser Memoiren ist für mich wichtiger geworden als alles andere. Ursprünglich glaubte ich, es tun zu müssen, weil mich die Lektüre von Natalia Ginzburg dazu geführt hatte, aus der Pflicht heraus, ›eine Spur zu hinterlassen‹, für jemanden, der wie ich nicht glaubt, dass er weiterleben kann, außer in der Erinnerung, die andere an seine Erfahrungen haben könnten. Ich habe sie zu verschiedenen Zeiten verfasst, manchmal in Abständen von mehreren Jahren. Ich habe nichts verändert, um die Stimmungen, Gefühle und Befindlichkeiten zu bewahren, unter denen sie geschrieben wurden und die sich im Laufe der Zeit verständlicherweise verändert haben. Meine Absicht ist es, meinen Weg darzustellen, immer auf der Suche nach dem Ausdruck dessen, was ich nach und nach als mein Tun und das Wesen meiner Identität betrachtete.«

Essstörungen

Tom Wooldridge

Essstörungen

Eine Einführung

Dieses Buch versteht sich als leicht zugängliche Einführung in die Behandlung von Essstörungen aus psychoanalytischer ­Perspektive. Jedes Kapitel beleuchtet einen anderen Aspekt der schwierig zu behandelnden Erkrankung und zeigt sowohl erfahrenen Klinikern wie Neueinsteigern die breite Perspektive des psychoanalytischen Behandlungsansatzes. Unterschiedliche Facetten der psychoanalytischen Theorie und Praxis werden aufgezeigt, welche die Betroffenen im Prozess, ihre Gefühle zu besser zu verbalisieren, ihr Verhältnis zu ihrem Körper zu erleichtern und die Disharmonien zwischen Körper und Seele in Einklang zu bringen unterstützen können. Auch der Umgang mit der Online-Welt (und besonders von einschlägigen Foren) wird behandelt.

Transgeschlechtlichkeit

Philipp Stang

Transgeschlechtlichkeit, Psychotherapie und Selbstbestimmung

Analyse eines historischen Paradigmenwechsels und die therapeutische Begleitung

Wie kann eine psychotherapeutische Begleitung transgeschlechtlicher Menschen heute aussehen – jenseits veralteter Krankheitsbegriffe und hin zu einer affirmativen, würdevollen Unterstützung? Diese fundierte, literaturbasierte Analyse beleuchtet die Entwicklung psychologischer und psychotherapeutischer Perspektiven auf Transidentität und Geschlechtsinkongruenz im Spannungsfeld zwischen medizinischer Diagnostik und gesellschaftlichem Wandel. Sie untersucht Lücken in der Forschung, kritisiert bestehende Ungleichheiten in der Versorgung und zeigt, wie sich das psychotherapeutische Handeln durch den Paradigmenwechsel hin zu einem entpathologisierten, normvarianten Verständnis von Geschlecht verändert. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie Psychotherapeut:innen heute auf Basis aktueller Erkenntnisse, interdisziplinärer Empfehlungen und eigener professioneller Reflexion transgeschlechtliche Menschen wirksam und menschenwürdig begleiten können – auch in einem zunehmend nonbinären Geschlechtersystem. Ein wichtiges Fachbuch für alle, die sich mit Psychotherapie, Geschlechtsidentität und Menschenrechten beschäftigen – wissenschaftlich fundiert, kritisch reflektiert und hochaktuell.

Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Christian Rexroth / Sven Lienert / Manfred Endres (Hrsg.)

Kursbuch Psychosomatische Grundversorgung in der Kinder- und Jugendmedizin

Hilfen für psychisch belastete Kinder und ihre Familie

Psychosomatische Beschwerden wie erhöhte Irritabilität, Schlafprobleme, Bauch- und Kopfschmerzen, Verstimmungszustände und eine beeinträchtigte Lebensqualität gehören zu den häufigsten Beschwerden von Kindern und Jugendlichen. Daher hat der 127. Deutsche Ärztetag 2023 die Psychosomatische Grundversorgung als festen Bestandteil der Facharztweiterbildung auf dem Gebiet Kinder- und Jugendmedizin in die (Muster-)Weiterbildungsordnung integriert. Auch die Ärztliche Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen e. V., ein bundesweit anerkanntes Fort- und Weiterbildungs­institut, hat sich dafür ausgesprochen. Der als gemeinnützig anerkannte Verein widmet sich der seelischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Seit fast 50 Jahren bietet die Ärztliche Akademie überregional Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen an, darunter seit 15 Jahren auch eine Fortbildung in Psychosomatischer Grundversorgung, an der bislang über 600 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen haben. Die von den Landesärztekammern anerkannte Fortbildung hilft, den Blick für seelische und psychosoziale Ursachen von psychosomatischen Krankheitsbildern zu schärfen und die seelische Versorgung von Kindern und Jugendlichen flächendeckend zu verbessern. Mit dem Kursbuch stellen wir ein Standardwerk vor, das für unterschiedlichste Problemstellungen nicht nur in der kinderärztlichen Praxis als kompaktes Nachschlagewerk dienen kann.

Männlichkeit

Sebastian Leikert

Der desorientierte Mann – Hindernisse auf dem Weg zu einer generativen Männlichkeit

Warum fällt es Männern in Beziehungen so schwer, die Herausforderungen, die die Frauenemanzipation seit über 50 Jahren mit sich bringt, positiv anzunehmen? Sebastian Leikert untersucht die individuell-unbewussten und allgemein-gesellschaftlichen Hindernisse, die Männer davon abhalten, im Parlament der Beziehungen kooperativ zu verhandeln. Leikert zeigt Wege auf, die es ermöglichen, Paarbeziehungen mit Spaß und Erfolg konstruktiv zu verändern, sodass sie von mehr Leichtigkeit geprägt sind und nicht aufhören, spannend zu sein.

 

Sebastian Leikert erklärt im Interview mit der Psychologie Heute, warum viele Männer sich in Beziehungen sehr stark anpassen oder nur machen, was sie wollen.

 

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